Ein Vierteljahrhundert für die Trauernden
– Thomas Budweiser und der Friedhof Neubiberg

März 2025. Ein kalter, nasser Wind streicht über den Friedhof Neubiberg, feiner Regen perlt auf den Wegen. Der Duft feuchter Erde liegt in der Luft, während die Wasserspur, die sich durch die moderne Friedhofsanlage zieht, vom Wind sanfte Kreise zeichnet. Zwischen den Baumgräbern und Urnenstätten liegt noch das letzte Laub des Winters, während erste Knospen an den Zweigen sprießen – ein stilles Zeichen, dass der Frühling kommt. Selbst an einem Ort der Erinnerung wächst neues Leben.
Thomas Budweiser geht über die Kieswege, begleitet von Marcel Bucher, Betriebsleiter der TrauerHilfe DENK in München, und seinem Stellvertreter Philipp Zeiner. Die beiden sind heute hier, um mit ihm sein 25-jähriges Dienstjubiläum zu begehen – doch anstatt in seinem Büro zu sitzen, führt Thomas Budweiser sie über den Friedhof, den er seit einem Vierteljahrhundert kennt wie kaum ein anderer.
„Hier wurde unser Altbürgermeister, Herr Josef Schneider, beerdigt“, sagt er und bleibt vor einem Grab stehen. „Das war meine erste Beerdigung auf diesem Friedhof – nur wenige Tage nach der Eröffnung. Ich wusste damals nicht, wie alles hier laufen würde – ich musste mir vieles selbst beibringen.“
Seit der Eröffnung im Jahr 2000 begleitet Thomas Budweiser Angehörige in Neubiberg. Er hat den Friedhof wachsen sehen, hat miterlebt, wie aus einer ersten Beisetzung ein Ort wurde, an dem Erinnerungen bewahrt und neue Geschichten geschrieben werden. Er organisiert Trauerfeiern, kümmert sich um den Grabkauf, arbeitet eng mit der Friedhofsverwaltung der Gemeinde zusammen. Doch vor allem ist er für die Menschen da.
„Grüß Gott, Herr Budweiser!“ Eine ältere Dame bleibt stehen, nickt ihm zu. Er grüßt zurück, wechselt ein paar Worte mit ihr.
„Auf einem Friedhof geht es nicht nur um Beerdigungen“, erklärt er, während sie weitergehen. „Man begegnet sich immer wieder. Mit den Jahren lernt man die Menschen und ihre Geschichten kennen. Manchmal bin ich Seelsorger, manchmal Streitschlichter, manchmal nur jemand, der zuhört.“
Während sie den Hügel hinaufsteigen, auf dessen Spitze das Kreuz thront, erzählt er von den Veränderungen, die der Friedhof in den letzten Jahrzehnten erlebt hat – von der Erweiterung 2017, von der steigenden Nachfrage nach Urnen- und Baumgräbern. „Die Bestattungskultur hat sich gewandelt – aber eines bleibt: Die Menschen brauchen einen Ort der Erinnerung.“
Philipp Zeiner, der nachdenklich zugehört hat, nickt. „Was mich beeindruckt, ist, wie eng Sie hier mit den Angehörigen und den einzelnen Schicksalen verbunden sind“, sagt er. „Man merkt, dass Sie nicht nur eine Aufgabe erfüllen, sondern für die Menschen da sind. Das macht den Unterschied.“